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Schlaflos in Oldenburg

16. September 2010 von ::

Oldenburg, norddeutsche Tiefebene: der Wind neigt zum Stürmen, dafür lässt der Regen ab und an nach. Dicht aneinander gedrängt, um nicht gar so naß zu werden, stehen Raucher, Fotografen und Neugierige entlang der Wand vor Halle 10 auf dem Fliegerhorst. Der enge Kontakt führt zu netten Gesprächen, während sporadisch Gäste am aufgemalten „roten Teppich“ vorfahren. Immerhin sorgt das für Abwechslung und irgendwann – wie die Dramaturgie will, am Schluss – erscheint auch Nicolette Krebitz und wird von Filmfest-Leiter Torsten Neumann und Radley Metzger begleitet.

Filmfest Oldenburg 2010, Coco trifft ein

Im Inneren der Halle folgt ein ohrenbetäubendes Gemurmel, dass sich nach und nach legt, als der Einlass beginnt. Die Reden – erst der Festivalleiter, dann der Generalintendant des Theaters, die Ministerin für Wissenschaft und Kultur, der Oberbürgermeister und wieder der Festivalleiter – sind besser, unterhaltsamer und zumindest teilweise kürzer, als zu befürchten war. Die Bitterkeit über den Frosch als zu förderndes Wesen, der dem Festival nach Meinung der Macher dieses Jahr wohl einige 10.000 Euro Fördergelder streitig gemacht hat, zieht sich etwas sehr anhaltend durch die Vorstellung, bis der Trailer dann gezeigt ist (meine Moral von der Geschicht: der Künstler lebt als fremdes Wesen in der Tasche des Besitzers/Produzents/Agents, um diesem ab und an den alkoholischen Nachschub zu ermöglichen).

Und nun endlich Unter Dir die Stadt. Durch den Platz, den mir der Online-Ticketautomat vorgeschlagen hat – Reihe 1, Platz 1 – wird die folgende Filmvorführung zum surrealen Erlebnis: der Ton scheint vollständig, die linke Bildhälfte bekomme ich halbwegs mit, die rechte ist dagegen auf’s ermüdenste verzerrt. Frage mich also bitte keiner nach dem Filmeindruck. Ich vermute die Bilder sind großartig. Inhalt und Stil des Filmes erzeugen bei vielen Zuschauern das Bedürfnis, danach in Gespräche zu starten. Coco ist auf der Leinwand jedenfalls u.a. auf eine für sie seltene Art und Weise zu erleben.

(Möglicherweise komme ich noch zur Fortsetzung, aber ich habe in Oldenburg gefühlt keine Minute geschlafen. Das muss ich jetzt dringend nachholen.)

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